Die Kalkbeinmilbe

Die Parasiten erkennen und loswerden
Kalkbeinmilben erkennen und loswerden

Kalkbeinmilben sind eine Art der Vogelmilben bzw. Hühnermilben, die genauso unangenehm und gefährlich sind, wie ihre Vetter. Sie sind Ektoparasiten, leben also auf der äußeren Oberfläche ihres Wirtes. Kalkbeinmilben haben sich, wie der Name schon erahnen lässt, auf die Beine der Vögel spezialisiert.
Die schuppige Krätze, die sie an den Beinen des Vogels verursachen, erinnert an Kalkablagerungen. In diesem Stadium ist der Befall allerdings bereits weit fortgeschritten und das Huhn sehr belastet. Wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen, können Sie die Grabmilben (wie sie auch genannt werden) frühzeitig erkennen und bekämpfen.
Denn Kalkbeine zu behandeln ist aufwendig und die Langzeitschäden, die die Kalkbeinmilben auslösen noch nicht vollends geklärt.

Die Kalkbeinmilbe erkennen und kennen

Das Aussehen der Kalkbeinmilbe ähnelt dem einer Zecke. Nur hat die Kalkbeinmilbe Stummelbeine und ist mit ihren 0,3-0,5 mm (Weibchen) viel kleiner und kaum mit dem bloßen Auge zu erkennen. Die Männchen sind sogar nur halb so groß.
Die Ähnlichkeit der Kalkbeinmilbe zu der Zecke kommt daher, dass beide zu der Klasse der Spinnentiere angehören und auch der Unterklasse der Milben. Die Kalkbeinmilbe wird Biologisch Knemidocoptes mutans (oder Sarcoptes scabiei) genannt und ist nur einer von verschiedenen Knemidocotpes Arten der Unterordnung der Hornmilben. Diese unterscheiden sich darin, in welchem Teilbereich der Hühnervögel oder Puten sie sich aufhalten. Sie kommen übrigens alle nicht nur in der Hühnerhaltung, sondern auch bei wilden Hühnern vor.
Betrachtet man diese Milbengattung unter dem Mikroskop, erkennt man nicht nur ihre ovale Form, sondern vor allem die gravierenden Unterschiede zwischen den Männchen und den Weibchen. Die Beine der Männchen haben kleine Haftnäpfe, mit welchen sie problemlos an den Beinen der Vögel hochkrabbeln und festhalten können. Die viel größeren Weibchen haben zusätzlich Krallen und starkes Mundwerkzeug, mit welchem sie sich schmale Gänge in die Hühnerbeine graben können.

Lebensraum und Entwicklung der Kalkbeinmilbe
Wenn man an die Hautkrätze denkt, die die Kalkbeinmilbe auslöst, könnte man das mit den mittelalterlichen Zuständen und mangelnder Körperhygiene in Verbindung bringen. Die Kalkbeinmilbe mag jedoch saubere Haut an den Beinen der Hühner. Sie bevorzugen außerdem eine warme und feuchte Umgebung.
Die Ektoparasiten gelangen von dem Zwischenzehenbereich der Hühner auf ihre Beine, da dort der Zugang für sie besonders leicht ist. Ihr Ziel ist die oberste, verhornte Epithelschicht der Haut auf dem unbefiederten Teil der Hühnerfüße zu erreichen, wo sich ihr bevorzugter Lebensraum befindet.
Die Paarung findet an der Hautoberfläche statt, woraufhin das Männchen direkt abstirbt. Das Weibchen der Fußräudemilbe / Krätzemilbe / Kalkbeinmilbe gräbt sich mit ihrem Kauwerkzeug durch die oberste Ephitelschicht bis zu der Basalzellschicht, die sich kurz vor der Lederhaut befindet. An dieser Stelle legt sie in den Gängen bis zu fünfzig Eier ab und bleibt dort bis zu ihrem Lebensende, was etwa sechs Wochen dauern kann.
In dieser Hautschicht liegen zwar keine Blutgefäße, jedoch viele Sinneszellen und Nerven, die auf Berührungsreize reagieren, das Eingraben und Einnisten der Larven ist somit nicht nur gefährlich, sondern auch schmerzhaft für die Hühner.
Die Larven durchlaufen in ihrem Nistplatz zwei Nymphenstadien, bis sie sich zu einer erwachsenen Milbe entwickeln. Bei den Männchen dauert dieser Prozess 20 Tage und bei den Weibchen 26 Tage, da bei diesem mehr Körpermasse entwickelt werden muss.
Eine Eigenart der Kalkbeinmilbe wurde noch nicht entschlüsselt, und zwar warum die Milbe in die Fraßgänge zu den Larven auch Eier legt.

Wie infizieren sich Hühner mit Kalkbeinmilben?

Wo kommen denn die Kalkbeinmilben eigentlich her? Keine Sorge, dies ist keineswegs ein Anzeichen dafür, dass Sie als Hühnerhalter schlechte Arbeit geleistet haben. Die Übertragung erfolgt nämlich durch direkten Körperkontakt mit anderen Vögeln. Sie können zwar präventive Maßnahmen treffen, es lässt sich jedoch schwer verhindern, alle Sing- oder Wildvögel von dem Freigehege fernzuhalten.
Auch durch kontaminierte Borken und Krusten, welche von den Beinen befallener Vögel abfallen, können die Milben übertragen werden.
Besonders betroffen von der Ansteckung sind Küken, welche die Milben durch die Glucke direkt nach der Geburt abbekommen. Da man Jungtieren den Befall kaum ansieht, werden sie diesen auch nicht los und stecken unbemerkt weitere Hühner aus der Schar an. Meist erkennt der Halter die Erkrankung erst, wenn das Tier älter ist und der Befall fortgeschritten.
Auch sind farbige Hühnerrassen häufiger von Kalkbeinmilben befallen als weiße Rassen. Warum, ist noch unklar.
Im Hühnerstall halten sie sich bevorzugt an warmen Plätzen, wie der Einstreu und den Sitzstangen auf, wo sie schnell neue Wirte finden.

So erkennen Sie Kalkbeine bei Hühnern

Befall mit Kalkbeinmilben zu erkennen ist nicht so leicht, da die Milben sehr klein sind und eine lange Zeit unbemerkt auf dem Wirt verbringen können, ohne ihm ersichtlichen Schaden zuzufügen. Besonders bei Jungtieren ist der Befall kaum ersichtlich.
Das typische Anzeichen der Krätzmilbe beim Huhn, die borkigen Verkrustungen und die weißen Schuppen, sehen zwar aus wie Kalkablagerungen, verharmlosen die Erkrankungen jedoch enorm.
Die normalen Schuppen an den Beinen der Hühner werden durch die Gräben der weiblichen Milben gelockert, woraufhin Hautentzündungen entstehen. Hierdurch sondern sich geringe Mengen Blutserum ab und es entstehen dunkelgraue, kalkfarbene oder gelbliche Wucherungen, je nachdem welche eigentliche Farbe die Hühnerbeine haben.
Diese porösen Hornhautwucherungen, was eine Krätze ist, sehen so aus, als wären die Beine mit einer Kalkschicht überzogen. Bei älteren Tieren ist es stärker ausgeprägt und deutlich sichtbar.
Die Krusten entstehen außerdem nicht nur durch das Bohren der Gänge, sondern auch weil die Milbe beim Beißen ihren Speichel absondert, der Kreatinase enthält.
Das Huhn leidet als Folge nicht nur an einem starken Juckreiz, sondern schweben auch in Lebensgefahr durch eine immerzu voranschreitende Entzündung. Mindestens aber büßen sie ihr allgemeines Wohlbefinden ein und ihre Leistung. Da die Beine stark schmerzen, bewegen sich die Hühner kaum, sodass der Bewegungsmangel auch seine Folgen hat.
Zusammengefasst können Sie also folgende Symptome bei einem Befall mit Kalkbeinmilben bei ihren Hühnern beobachten:

  • Gräuliche oder gelbe Verkrustungen und Borken an den Füßen
  • Hühnerbeine sehen aus, als wären sie von einer Kalkschicht überzogen
  • Geschwollene und teils blutige Füße
  • Die Schuppenschicht an den Füßen steht ab
  • Hühner wirken unruhig, gereizt, bewegen sich weniger und sind teils appetitlos
  • Hühner versuchen wegen dem starken Juckreiz ihre Beine zu kratzen

Wenn sie den Verdacht haben, dass ihre Hühner von der Kalkbeinmilbe befallen sind und einen Tierarzt heranziehen, wird er ein spezifisches Antikörper im Blutfinden, sofern er Blut abnimmt. Diese Antikörper sind ein deutliches Indiz für einen Befall.
Wie gefährlich die Kalkbeinmilbe tatsächlich ist, ist noch nicht hinreichend erforscht. Diese stehen unter Verdacht als Langzeitfolge im Zusammenhang mit Organveränderungen bei Hühnern zu stehen. Was jedoch sicher ist, ist, dass an den entzündeten Stellen Keime eindringen können und somit der Weg für Folgeerkrankungen geebnet ist.

Was tun gegen Kalkbeinmilben bei Hühnern?

Da sich die Krätzemilbe sehr schnell vermehrt und eine große Ansteckungsgefahr besteht, ist eine zügige Behandlung wichtig. Auch um dem Huhn weitere Leiden zu ersparen.
Ein herkömmliches Ungezieferspray können Sie vergessen, da die Kalkbeinmilbe eine Untergattung von Spinnentieren ist und darauf nicht reagieren. Als Hühnerhalter sollten Sie stets ein hochwertiges Desinfektionsspray, sowie ein spezielles Mittel gegen Kalkbeinmilben vorrätig haben, damit Sie schnell handeln können, sobald der Verdacht eines Befalls besteht. Von Tierärzten werden z.B. Ivermectin-haltige Medikamente injiziert oder als Spot-on direkt auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Über einen bestimmten Zeitraum hinweg wird die Behandlung wiederholt.
Um die Kalkmilben mit Hausmitteln zu bekämpfen, werden zuerst die Füße und Beine der Hühner in einer Seifenlauge und lauwarmen Wasser gründlich gewaschen. Mithilfe von Glycerin, Schmierseife oder Salizyl-Öl einweichen, um die Verkrustungen behutsam abzulösen. Sobald die Beine gesäubert und vorbehandelt wurden, werden diese bis zum Gefiederansatz in Ballistol-Öl getaucht. Dieses hat eine hohe Kriechfähigkeit und dringt auch in die kleinsten Hautrisse ein. Die Verstecke und Gänge der Milben werden so überflutet. Das Öl schneidet ihnen jegliche Luftzufuhr ab, wodurch sie schnell absterben. Das Tauchbad desinfiziert und pflegt auch die unter Mitleidenschaft gezogene Haut. Führen Sie die Pflege mit Kriechölen, wie Ballistol, Sulfonamiden oder Sulfonamid-Lebertran-Fettsalben noch weitere 2-4 Wochen fort, damit die Tiere vor einer Sekundärinfektion geschützt sind und sich regenerieren können.
Beachten Sie, dass eine einmalige Behandlung der Kalkbeinmilbe auf Grund der unterschiedlichen Entwicklungsstadien, niemals ausreicht. Ob mit Antiparasitika oder Hausmitteln, die Behandlung muss stets mehrfach über einen gewissen Zeitraum hinweg durchgeführt werden (am besten mehrere Tage infolge). Behandeln Sie außerdem nicht nur die Hühner, die offensichtlich betroffen sind, sondern den gesamten Bestand, um der Plage tatsächlich komplett den Garaus zu machen.

Egal für welche Behandlungsmethode Sie sich entscheiden, sollten Sie in jedem Fall als aller ersten den Stall, das Freilaufgehege und ggf. weitere Zugangsflächen gründlich reinigen und desinfizieren. Vergessen Sie keine Ritze, Sitzstande oder Legenest, damit keine Wiederinfektion stattfinden kann, da die Kalkbeinmilbe eine gewisse Zeit außerhalb des Wirts überleben kann.
Schritt-für-Schritt Behandlung bei Befall mit Kalkbeinmilbe zusammengefasst:

  1. Ggf. Tierarzt für Diagnose und Behandlung zurate ziehen
  2. Stall und Gehege gründlichst reinigen und desinfizieren
  3. Kalkbeine einweichen lassen und Verkrustungen vorsichtig entfernen
  4. Chemisches Mittel oder Öl auftragen
  5. Alle Kontakttiere behandeln
  6. Die Behandlung wiederholen

Im Zweifelsfall, ob es sich tatsächlich um einen Kalkmilbenbefall handelt oder bei einer Verschlechterung des Zustandes der Hühner, sollten Sie unbedingt einen Tierarzt zurate ziehen, da eine Fehldiagnose fatale Folgen haben könnte.

Prävention gegen die Kalkbeinmilbe

Wie bereits erwähnt, ist es unmöglich einen Befall der Hühner mit Kalkbeinmilben durch Präventivmaßnahmen komplett auszuschließen, außer man riegelt die Tiere hermetisch von der Umwelt ab. Da das aber dem Huhn sicherlich noch mehr Schaden würde, kann man einige Maßnahmen ausführen und sich des Risikos bewusst sein. Besonders bei Hühnern, die den Freilauf genießen dürfen, kann es immer zu einem Kontakt mit Parasiten kommen.
Um das Risiko zu minimieren mit Neuzugängen Parasiten in die Schar einzuschleppen lohnt es sich auf jeden Fall das Tier vorab zu entwurmen, durchzuchecken und eine prophylaktische Tauchkur mit den genannten Ölen vorzunehmen.
Die unentwegte gründliche Reinigung und Desinfektion des Stalls und aller weiteren Zugangsflächen ist ohnehin eine Selbstverständlichkeit, um Krankheiten im Zaum zu halten. Speziell zur Vorbeugung von Milben lohnt es sich des Weiteren aber auch den Stall und alle sich darin befindlichen Oberflächen hin und wieder mit Kieselgur einzustreuen und mit Kalk zu streichen und ggf. mit Petroleum und Diesel zu behandeln (Achtung: Brandgefahr und auf Grund der Ausdünstungen kann der Stall für min. 3 Tage nicht bewohnt werden) und die Sitzstangen mit Öl einzureiben. In Stallritzen können Sie außerdem spezielle Milbenpräparate auf Geraniolbasis hineingeben.
In unserem Artikel „Milben im Hühnerstall“ finden Sie weitere hilfreiche Tipps, um Hühnermilben den Kampf anzusagen.

Aktuell beliebt
×