die Nordische Vogelmilbe

Was ist zu beachten
Nordischen Vogelmilbe in deutschen Hühnerställen

Die Nordische Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum) ist nicht, wie der Name vermuten lässt, nur im Norden, sondern auf der ganzen Welt verbreitet, auch wenn sie ein mäßiges Klima bevorzugt. Die Ektoparasiten nutzen sowohl Vögel in der freien Wildbahn als auch vom Menschen gehaltene Vögel als Wirt.
Auch wenn die Nordische Vogelmilbe seltener den Weg in die heimische Hühnerhaltung findet und weniger gefährlich ist als die ihr verwandte Rote Vogelmilbe, muss man als Hühnerhalter dennoch die Anzeichen eines Befalls erkennen und wissen, wie man die Milbe bekämpft.
Da sie sich am Federkiel einbohrt, Blut saugt und Hautirritationen hervorruft, stellt dies eine recht unangenehme Belastung für Ihr Geflügel dar und sie wären Ihnen sicherlich dankbar, wenn Sie sie von dieser Plage befreien.
Außerdem sollte auch hier die Gefahr nicht unterschätzt werden, da die Nordische Vogelmilbe andere Krankheiten übertragen und auch auf den Menschen überspringen kann.

Der Lebensraum der Nordischen Vogelmilbe

Die Nordische Vogelmilbe hat ihren Namen dem Umstand zu verdanken, dass sie kühle bzw. milde Temperaturen bevorzugt. Da diese bei hohen Temperaturen ab 36 Grad abstirbt und die Rote Vogelmilbe hingegen warme Temperaturen bevorzugt, kommt es oft dazu, dass sie sich in ihrem Bestand abwechseln.
Ein weiterer Unterschied der Nordischen Vogelmilbe, zu der ihr nah verwandten Roten Vogelmilbe ist, dass diese ihren gesamten Lebenszyklus auf dem Wirt verbringt und sich dort vermehrt. Sie hält sich also nicht im kompletten Stall auf und befällt oft nur ein paar Hühner der Schar, die sie als Dauerwirt nutzen kann. Da die Ausbreitung sich also in Grenzen hält, lässt sich der Befall oft recht gut wieder in den Griff bekommen.
Wird es auf einem Huhn aber doch zu eng für die Population, gelangen sie auf den nächsten Wirt durch einen gekonnten, weiten Sprung.
Steht ihr kein Vogel als bevorzugtes Wirtstier zur Verfügung, weicht sie auf Säugetiere, also auch Menschen als Zwischenwirt aus.
Möchten Sie überprüfen, ob Ihre Hühner die Nordische Vogelmilbe auf sich tragen, müssen Sie an deren speziellem Lieblingsplatz, am Federkiel suchen und das am besten zu einer milden Jahreszeit. An dieser Stelle bohren sie sich in die Haut und ernähren sich von der freigesetzten Flüssigkeit und saugen Blut, um Energie für die Eier zu erhalten. Vorzugsweise halten sie sich an dunklen und geschützten Stellen, z.B. unterhalb der Flügel auf sowie im Flankenbereich.
Da sich die Milben ziemlich tief in die Haut des Huhnes einbohren, werden Sie viele gar nicht finden können.
Ist der Befall bereits stark vorangeschritten, werden sich die Parasiten auch auf Eiern finden lassen.
Die Lebensdauer der Nordischen Vogelmilbe ist mit ca. 7 Tagen bei optimalen Bedingungen zwar recht gering, jedoch kann sie bei niedrigen Temperaturen in einer Art Winterschlaf bis zu 190 Tage überleben, ohne auf Nahrung angewiesen zu sein.

Nordische Vogelmilbe erkennen

Auch wenn Sie wissen, wo Sie suchen müssen, ist der Blutsauger gar nicht so leicht zu entdecken. Der Parasit ist nämlich sehr flink und mit einer Größe zwischen 0,5 und 1,1 Millimetern mit dem bloßen Auge schwer zu erkennen. Achten Sie auf kleine dunkle Pünktchen auf der Haut des Huhns am Federkiel. Die größeren sind dabei die Weibchen und die kleineren die Männchen der Nordischen Vogelmilbe.
Wie die Nordische Vogelmilbe aussieht, werden Sie nur unter einem Mikroskop erkennen können.
Da sie zu der Gattung der Spinnentiere zählt weißt sie deren typisches Merkmal auf mit acht Beinen ausgestattet zu sein.
Außerdem hat sie einen schmalen Körper, der einer Birnenform gleicht. Ihre Körperfarbe ist normalerweise gelblich oder bräunlich, hat sie sich aber bereits mit Blut vollgesaugt, erscheint die Färbung rötlich, dunkel bis schwarz. Auch schwillt der Körper rundlich an, sodass sie der Roten Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) zum Verwechseln ähnlichsieht.

Wie Sie einen Befall der Nordischen Vogelmilbe erkennen

Das Bohren in die Haut und Saugen von Blut der Nordischen Vogelmilbe führt zu Hautirritationen beim Huhn. So kann man bereits an dem Verhalten der Hühner erkennen, dass sie sich damit ersichtlich unwohl fühlen. Beobachten Sie solch ein Verhalten, wissen Sie, dass Sie Ihre Hühner nach dieser Milbengattung absuchen müssen.
Wegen dem starken Juckreiz der Hautirritationen müssen sich die Vögel oft Kratzen und reissen teils sogar ihre eigenen Federn aus. Das Federkleid weist deshalb schon nach kurzer Zeit Lücken auf und ist zerzaust, die Federn abgebrochen oder ausgerupft.
Gleichzeitig verbringen die Hühner viel Zeit mit dem vergeblichen Versuch ihr Gefieder wieder schön zu pflegen.
Bei genauerem Hinsehen stellt man außerdem fest, dass die Haut an den Federkielen verkrustet ist.
Die Plage bedeutet eine enorme Belastung für das Geflügel, da sie durch das Gekrabbel, Gesauge und den Juckreiz kaum Schlaf erhalten und auch sonst sehr unruhig und gestresst sind aber auch der Blutverlust an ihren Kräften zehrt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie erschöpft, matt und träge wirken.
Sie finden schwerlich Elan für die Futteraufnahme, nehmen immer mehr an Gewicht ab und haben in Folge noch weniger Energie zur Verfügung. Den Jungtieren geht diese Energie für das Wachstum ab, wodurch sie viel langsamer wachsen als die Hühner ohne Milbenbefall. Und den Hennen reicht die Energie nicht mehr aus für eine normale Eierproduktion, sodass die Legeleistung abnimmt.
Hier nochmal die Symptome für einen Befall mit Nordischer Vogelmilbe zusammengefasst:

  • Unruhige / gereizte und gleichzeitig träge und matte Hühner
  • Übermäßige Gefiederpflege
  • Zerzaustes, lückenhaftes Gefieder mit abgebrochenen oder ausgerupften Federn
  • Kahle Stellen durch Federausfall
  • Verkrustete Haut um die Federkiele herum
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
  • Langsames Wachstum
  • Nachlassen der Legeleistung
Ist die Nordische Vogelmilbe gefährlich?

Die Rote Vogelmilbe ist zwar viel verbreiteter und gefährlicher als die Nordische Vogelmilbe, dennoch darf letztere nicht unterschätzt werden.
Neben den Hautirritationen, dem Juckreiz und partieller Blutarmut, können durch das Beißen auch allergischen Reaktionen ausgelöst und vor allem Krankheiten übertragen werden.
Die Nordische Vogelmilbe kann zum Beispiel als Krankheitsüberträger für die bösartige Newcastle Erkrankung fungieren. Gegen die Newcastle Disease müssen die Hühner alle drei Monate geimpft werden (Pflichtimpfung), da diese nicht behandelt werden kann und eine hohe Mortalitätsrate aufweist.
Besonders für Jungtiere und schwache Tiere ist die Nordische Vogelmilbe eine ernsthafte Lebensbedrohung, da das sowieso schon schwächere Immunsystem vor große Herausforderungen gestellt wird.
Da die Nordische Milbe sich Zwischenwirte sucht, falls sie keinen Vogel als Lebensraum finden kann, stellt sie ebenfalls eine Bedrohung für andere Säugetiere und Menschen in der Umgebung der Hühner dar. Die Stiche verursachen juckende Ekzeme und können bei wiederholtem Stechen allergische Symptome wie z.B. Nesselfieber auslösen. Kontaktieren Sie in dem Fall auf jeden Fall den Arzt. Ansonsten steht eine gründliche Körperhygiene an (besonders der Haare) und Reinigung der Wohnung.
Befindet sich das Hühnergehege in der Nähe der Wohnung / des Hauses wird außerdem empfohlen die Fassade um die Rolladenkästen und Fensterbänke, sowie die Filter für Klimaanlagen vorsorglich mit Insektenspray (Wirkstoffe: Permethrin, Lamda-Cyhalothrin) einzusprühen.

Was hilft gegen die Nordische Vogelmilbe?

Haben Sie Symptome bei bestimmten Hühnern für den Befall mit der Nordischen Vogelmilbe erkannt, sollten Sie diese von der restlichen Schar separieren, bis die Behandlung abgeschlossen ist und für andere Tiere keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.
Reinigen Sie als nächsten den Stall gründlich mit Wasser und desinfizieren Sie besonders Ritzen und andere Milbenverstecke. Zwar müssen Sie nicht, wie im Fall der Roten Vogelmilbe gleich drastische Maßnahmen ergreifen und die ganze Inneneinrichtung für die Säuberung ausbauen, jedoch ist es auch hier wichtig keine Ritze zu übersehen, da sich dort noch Eier befinden könnten, die nach 2-3 Tagen zu Larven schlüpfen.
Die Behandlung der Hühner allein mit einem Milbenpulver hilft leider nicht, da sich die Milben tief in die Haut eingraben und das Pulver nicht bis dorthin eindringen kann.
Es gibt Medikamente, die die Nordische Vogelmilbe gezielt bekämpfen, lassen Sie sich vor der erstmaligen Behandlung am besten von einem Tierarzt beraten.
Die bekannten Medikamente Ivomec oder Exner Petguard, werden für die Behandlung auf den Nacken des befallenen Tieres mit Hilfe einer Spritze getropft, sodass sich die Wirkstoffe auf der ganzen Haut verteilen. Eine einmalige Behandlung reicht jedoch nicht aus, sondern muss 10-14 Tage lang täglich wiederholt werden, um wirklich alle Milben erfolgreich abzutöten.
Auch Antimilbenmittel mit den Wirkstoffen Permethrin und L-Cyhalothrin kommen oft zu einsatz (s.g. Pyrethroide), jedoch scheinen sich vermehrt Resistenzen dagegen entwickelt zu haben, weshalb immer mehr Hühnerhalter zu alternativen Methoden der Behandlung greifen.
So hat sich zum Beispiel das Schwefelblumenbad bewährt, nicht nur um die Nordische Vogelmilbe, sondern auch andere Ektoparasiten loszuwerden. Das Schwefelbad wirkt heilend und antibakteriell und hat zusätzlich den Vorteil, dass es die Haut beruhigt und die Wundheilung fördert. Das Huhn kann schneller regenerieren und gesund werden. Das Schwefelblumenbad kann problemlos in vielen Tierhandlungen erworben werden.
Die betroffenen Hühner können auch mit einem Kriechöl behandelt werden, welches sich auf der Haut und allen Ritzen und Poren verteilt und den Milben die Luftzufuhr abschneidet. Ballistol, ist zum Beispiel solch ein Kriechöl. Oft werden auch ätherische Öle hinzugemischt, die mit dem Duftstoff zusätzlich die Milben vertreiben sollen. Klären Sie jedoch zuvor unbedingt die Verträglichkeit mit einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker ab.
Auch die Behandlung mit Kieselgur tötet jegliche Parasiten mechanisch ab, indem die mikroskopisch kleinen, scharfkantigen Partikel des Pulvers die Milben schneiden und austrocknen. Die Kieselgur können Sie auch effektiv im Stall ausstreuen, ins Sandbad zugeben oder direkt auf den Rücken der Hühner streuen. Bewegen sich diese, verteilt sich das Pulver auf dem Körper. Achten Sie nur darauf, dass es wieder von Ihnen noch von den Tieren eingeatmet wird und nicht in die Augen gelangt.
Da die schorfige und sowieso schon trockene Haut, durch den trocknenden Effekt der Kieselgur noch weiter angetrocknet wird, ist es ratsam bei dieser Variante das Huhn noch zusätzlich mit einem Kriechöl oder Schwefelblumenbad zu pflegen.
Achten Sie bei der Therapie darauf, dass die Mittel auch unterhalb die Flügel gelangen, da sich die Nordische Vogelmilbe dort sehr gerne einnistet.

Präventive Maßnahmen gegen die Nordische Vogelmilbe

Vorbeugen lohnt sich, damit weder die Hühner beeinträchtig werden noch andere Haustiere, Ziervögel oder gar Menschen von dem Parasiten befallen werden.

Um den Milben vorzubeugen eigenen sich folgende Maßnahmen:

  • Regelmäßig den Stall gründlich reinigen, entmisten und ausspritzen.
  • Hühnerstall ausreichend sichern, sodass keine Zwischenwirte wie Wildvögel, Mäuse und Ratten an die Hühner herankommen.
  • Milbenfallen aufstellen, um einen Befall möglichst früh zu erkennen.
  • In gewissen Abständen den Stall prophylaktisch mit Flüssigsilikaten behandeln.
  • Regelmäßig Kieselgur im Stall, den Legenestern, dem Sandbad und auf den Hühnern verteilen.


Lesen Sie auch unseren allgemeinen Artikel zu „Hühnermilben im Stall“ für mehr Tipps.

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