Grundlagen der Vererbung bei Hühnern

Was man als Hühnerzüchter wissen sollte
Grundlagen der Vererbung

Wenn Sie sich als Hühnerzüchter etablieren möchten und der Biologieunterricht schon weit zurückliegt, kommen Sie nicht drumherum die Kenntnisse rund um die Vererbung wieder aufzufrischen.
Neben den genetischen Grundlagen der Vererbung ist es umso wichtiger für einen Hühnerhalter zu wissen, was er mit diesem Wissen praktisch anfangen kann. Wir bringen in diesem Artikel das Wichtigste auf den Punkt.

Was versteht man unter Vererbung bei Hühnern?

Nein, hierbei geht es nicht darum, welches der Küken später das Nest und die schönsten gesammelten Kieselsteine der Henne erhält. Es sind die genetischen Erbanlagen der Eltern, die an die Nachkommen weitergegeben werden, was uns hier interessiert.
Alle ausgeprägteren Lebewesen haben eine mütterliche und eine väterliche Ausführung eines Genes in sich. Solche Varianten eines Gens werden als Allele bezeichnet.
Das einzige Gen, welches nur eine Ausführung hat, ist das Geschlechtschromosom.
Das Gen ist dabei ein Abschnitt auf der DNA. Dieser Abschnitt enthält Grundinformationen für die Entwicklung von Eigenschaften eines Lebewesens.
Die DNA (oder auch DNS) ist ein fadenförmiges Molekül, welches die Erbinformationen trägt. Es befindet sich im Zellkern jeder Zelle.

Die Regeln der Vererbungslehre

Bei der Befruchtung vereinen sich das Erbgut des Hahns mit dem Erbgut der Henne. Wessen Merkmale an welcher Stelle später beim Küken zum Vorschein treten, ist für die Hühnerzucht elementares Wissen, z.B. um das Zuchtpaar entsprechend auswählen zu können. Mithilfe der Vererbungslehre bzw. den „Mendelschen Regeln“, welche von dem Augustinermönch Gregor Mendels mühevoll erforscht wurden, können Sie mehr Kontrolle über Ihre Hühnerzucht haben und diese effektiv gestalten.

Die Uniformitätsregel

Die Uniformitätsregel besagt, dass alle Nachkommen aus der ersten Zucht (der 1. Tochtergeneration) in einem bestimmten Merkmal gleich sind. In genau diesem einen Merkmal unterscheidet sich aber das Zuchtpaar, wohingegen sie sonst gleich sind – sie sind also monohybrid. Die Eltern müssen dafür beide reinerbig sein und somit an einem Genort für das entsprechende Merkmal zwei gleiche Allele enthalten.

Ein Beispiel, um die Theorie besser nachvollziehen zu können:
Ein schwarzer Hahn wird mit einer weißen Leghornhenne verpaart. Die Tiere sind reinerbig und unterscheiden sich in dem Fall in der Farbe. Die Erbinformation des schwarzen Hahns kann mit ss und die der weißen Henne mit WW gekennzeichnet werden. „s“ steht dabei für ein Allel mit dem Merkmal schwarz und „W“ für ein Allel mit dem Merkmal weiß. Dominante Merkmale werden mit einem Großbuchstaben aufgeführt und rezessive mit einem kleinen. Das Merkmal der Leghornhenne ist somit dominant über die schwarze Farbe des Hahnes.

Dominant-rezessiver Erbgang (sW)
Der Nachwuchs der beiden wird nun mischerbig (heterozygot), da diese an dem Genort, an dem die Eltern jeweils zwei gleiche Allele besitzen (ss und WW) nun zwei unterschiedliche Allele besitzen (sw). Das bedeutet aber nicht, dass sich in dem Fall auch die Farbe mischt und alle grau oder schwarz-weiß-gefleckt sind, sondern der komplette Nachwuchs ist weiß. Der Grund ist das Dominanzverhältnis des Merkmals. Das weiß sticht bei dieser Generation sozusagen das schwarz aus.
In dem Fall spricht man von einem dominant-rezessivem Erbgang.

Intermediärer Erbgang (sw)
Sind die Allele beider Eltern gleich stark, sodass also keiner dominiert, wird der Erbgang intermediär – das Ergebnis ist also die Mitte zwischen den beiden unterschiedlichen Ausprägungen.
Verpaart man zum Beispiel andalusierweiße Hühner mit schwarzen, sind die alle Nachkommen der ersten Generation bläulich, da dies eine Mittelstellung beider gleich starker Ausprägungen ist.

Die Spaltungsregel

Kreuzt man im Folgenden die so entstandene mischerbige erste Generation (F1-Generation) untereinander, welche alle ein einheitliches Erscheinungsbild hatten, ist das Aussehen der Enkelgeneration (F2-Generation) nun nicht mehr gleich, sondern gespalten. In einem bestimmten Zahlenverhältnis bilden sie eine andere Ausprägung der vererbten Merkmale aus.

Dominant-rezessiver Erbgang (sW2)
Das Erbgut der ersten Generation F1 war also einheitlich weiß mit dem Erbgut sW, wobei das weiß ein dominantes Merkmal ist.
Die Kreuzung aus sW und sW ergibt ss, sW, sW und WW. Es werden also beide Allele mit jeweils den Allele des Partners gemischt. Dabei entsteht ein genetisches Verhältnis von 1:2:1 (genotypisch). Anhand der äußeren Merkmale (phänotypisch) erkennt man jedoch ein 3:1 Verhältnis, da das weiß im sW dominant ist. Es gibt also drei weiße und ein schwarzes Hühnchen.

Intermediärer Erbgang (sw2)
Die Kreuzung des sw / sw Erbguts der F1 Generation, welche einheitlich bläulich waren, ergibt sowohl eine genotypische als auch phänotypische Spaltung im Verhältnis 1:2:1. Da nun keines der Merkmale dominant ist ergibt er ss, sw, sw und ww. Die Kreuzung aus zwei blauen Hühnern ergibt also ein schwarzes und ein analusierweißes Huhn, sowie zwei blaue Hühner.

Die Unabhängigkeitsregel

Bei der Unabhängigkeitsregel geht es um die freie Kombination der Gene, da es hierbei nicht mehr um monohybride Erbgänge geht, sondern um dihybride. Die Kreuzungspartner unterscheiden sich somit nicht mehr nur in einem Merkmal, sondern in zwei oder mehr.
Mendel hat hierzu Erbsen untersucht, welche wir für dieses Beispiel zur Abwechslung ebenfalls heranziehen.
Hier zuerst die Aufschlüsselung der Merkmale, wobei die Groß- und Kleinbuchstaben wieder angeben, ob dieses Merkmal dominant oder rezessiv ist:

  • Gelbe Erbsen – GG
  • Runde Erbsen – RR
  • Grüne Erbsen – gg
  • Schrumpelige Erbsen – rr

Wenn nun einmal runde, gelbe Erbsen (GGRR), mit grünen, schrumpeligen Erbsen (ggrr) gekreuzt werden, haben die Keimzellen auf einer Seite das gelb-runde Merkmal (GR) und auf der anderen Seite das grün-schrumpelige (gr). Die Ausprägung der Merkmale der beiden Nachkommen (F1-Generation) sind GgRr und GgRr:

  • Die F1-Generation besteht ausschließlich aus mischerbigen Erbsen
  • Äußerlich werden jedoch die dominanten Merkmalsausprägungen GR sichtbar
  • Alle Erbsennachkommen sind gelb und rund

Kreuzt man die F1-Generation mit dem Erbgut GgRr weiter untereinander, ergibt sich in den Keimzellen das Erbgut GR, Gr, gR und gr. Um die Kreuzung dieser vier unterschiedlichen Ausprägungen betrachten zu können, zieht man am besten eine Matrix heran.

Wie man sieht, ist hierbei nun etwas faszinierendes entstanden. Durch die Kreuzung sind zwei Neukombinationen entstanden, die weder in der Elterngeneration noch in der F1-Generation in der Form vorhanden waren. Es sind gelb-schrumpelige und grün-runde Erbsen entstanden.
Um zu den Hühnern zurückzukehren kann man die dihybride Vererbung der Kammform des Huhns betrachten, da die Information dazu an zwei nicht miteinander verbundenen Genorten liegt.
Der Einfach- oder Stehkamm ist die am weitesten verbreitete Kammform und entsteht, wenn an beiden Genorten r und p als rezessive Allele liegen – rrpp.
Der Rosenkamm hat hingegen die Allelkombination RRpp oder Rrpp.
Der Erbsenkamm hat die Kombination rrPP bzw. rrPp.
Kreuzt man ein Huhn mit Rosenkamm (RRpp) und ein Huhn mit Erbsenkamm (rrPP), liegt in den Keimzellen die Information Rp und rP und ergibt in der ersten Generation F1 RrPp. RrPp ist dabei die Allelkombination für den Wulst-bzw. Walnusskamm, wie er bei einem Malaien zu sehen ist.

Die Vererbung des Geschlechtes

Die Geschlechtschromosomen der Menschen sind so verteilt, dass die XY Kombination ein männliches Geschlecht ergibt und die XX Kombination ein Weibchen kennzeichnet. So ist es ebenfalls bei vielen anderen Tieren, jedoch nicht bei den Vögeln.
Männliche Vögel produzieren nur Spermien meinem X-Chromosom, wohingegen das Weibchen in Ihren Eizellen sowohl das X, als auch das Y-Chromosom hat. Männliche Küken (XX) erhalten also von dem Hahn das X-Chromosom und ein weiteres X-Chromosom von der Henne. Weibchen (XY) erhalten ebenfalls ein X-Chromosom des Vaters und ein Y-Chromosom von der Mutter.
Bei den Hühnern sind es also die Gene der Hennen, die entscheidend für das Geschlecht der Nachkommen sind, wohingegen es bei Menschen die Väter sind.

Mutationen

Mutation sind Veränderungen an den Genen, die durch Ablesefehler hervorgerufen wurden, während die Keimzelle sich entwickelt hat. Diese Mutationen können dann entweder an einzelnen Genen oder ganzen Genorten auftreten.
Solche Ablesefehler können zum Beispiel die Folge von radioaktiver Strahlung, Gift, oder anderen schädlichen Einwirkungen sein und führen dazu, dass die Merkmalsausprägungen sich nicht mehr den natürlichen Regeln entsprechend entwickeln, sondern bestimmte Veränderungen aufweisen. Diese Veränderungen sind für das Lebewesen meist negativ. Besonders, wenn lebenswichtige, physiologische Prozesse daraufhin nur fehlerhaft funktionieren.
Da sich jedes Tier im Laufe der Evolution perfekt an seine Umgebung angepasst hat, führen auch veränderte äußere Merkmale eines Tieres in der freien Wildbahn oft zum frühzeitigen Tod, z.B. weil es eine Farbe hat, mit welcher es von den Fressfeinden besser entdeckt wird.
Menschen gefallen aber mutierte optische Merkmale oft z.B. eine besonders ausgefallene Gefiederfarbe und daher stellt die Mutation in dem Rahmen keine Lebensbedrohung dar. Im Gegenteil diese Mutationen werden meist bewusst weiter gezüchtet, sodass im Endeffekt eine Mutation die Grundlage einer neuen Rasse ergibt.

Praktische Anwendung der Vererbungslehre

Wie setzten Sie nun aber die Kenntnisse der Vererbungslehre in der Praxis um?
Hierfür ist es wichtig zuerst die spezifischen Merkmale der Rasse zu recherchieren, welche Sie züchten möchten und deren Allelkombination. Auch welche davon dominant und welche rezessiv sind. Tragen Sie diese dann in Ihr Zuchtbuch ein, um vorausberechnen zu können, welche Merkmale die Nachkommen haben werden.
Andersherum betrachtet können Sie aber auch die Genkombination der Rasse vermerken, die Sie heranzüchten möchten und durch die aufgezeigte Art und Weise zurückverfolgen, welche Elternhühner Sie besorgen müssen, um die gewünschte Zuchtrasse zu erhalten.
Grundsätzlich ist das konsequente Führen eines Zuchtbuches sehr wichtig, um die Abstammung der Zuchttiere zurückverfolgen zu können.
Sie können in ihr Zuchtbuch den Bestand eintragen und (falls Sie mehrere Hähne besitzen und die Befruchtung kontrolliert durchführen) welcher Hahn, welche Henne befruchtet hat.
Wenn Sie bei der Eiablage außerdem kontrollieren, welches Ei von welcher Henne stammt, zum Beispiel indem Sie ein Fallnest integrieren, und dieses ebenfalls in Ihr Zuchtbuch eintragen, können Sie jederzeit den Stammbaum Ihrer Zuchthühner zurückverfolgen. Das ist nicht nur interessant zu wissen, sondern wichtig, um den Verwandtschaftsgrad festzustellen. So können Sie den Inzuchtfaktor damit so geringhalten, dass es zu keinen Missbildungen in den Nachfolgegenerationen kommt.
Sie finden spezifische Lektüre, um nachzuschlagen, welche Merkmale sich wie auf die Nachzucht auswirken. Wollen Sie bestimmte zum Beispiel bestimmte Farbgebungen des Federkleides erreichen sind solche Nachschlagewerke sehr hilfreich.

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