Kokzidien

Nachweis, Behandlung und Prophylaxe
Von Lucyin - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33282348

Kokzidien – Schrecken aller Hühnerhalter

Kokzidien sind ungebetene Gäste, die sich nicht nehmen lassen die Hühner aufzusuchen. Was an diesen hartnäckigen Parasiten so besonders ist, ist vor allem ihre Widerstandskraft.
Als Hühnerhalter kommen Sie nicht drumherum sich mit diesen Parasiten zu beschäftigen. Erfahren Sie hier deshalb alles, was Sie über Kokzidien und die damit einhergehende Erkrankung Kokzidiose wissen müssen.

Was sind Kokzidien?

Um siegreich aus dem Kampf gegen die Kokzidien zu gehen, müssen Sie Ihren Feind kennen. Womit genau haben Sie es also zu tun, wenn es heißt, dass Ihre Hühner von Kokzidien befallen sind?
Kokzidien (der Gattung Eimeria) sind einzellige Parasiten, welche oral aufgenommen werden und sich im Darm einnisten. An den entsprechenden Stellen lösen sie schwerwiegende Entzündungen aus, da sie in die Zellen eindringen. Da sie äußerst widerstandsfähig sind, können sie, nachdem sie sich im Wirt breitgemacht haben, auch noch nach Monaten Infektionen auslösen.
Die Erkrankung, die damit einhergeht, wird Kokzidiose (im Volksmund auch rote Kükenkuhr) genannt und ist sehr häufig bei Hühnern anzutreffen. Jede Hühnerschar wird in der Regel mal von der Infektion befallen und wird von unterschiedlichen Kokzidiose-Erregern durchlaufen. Der Erregertyp, der in Masthähnchen vorherrscht, gehört der Gattung „Eimeria Familie“ an.
Diese Parasiten sind sowohl wirts- als auch ortsspezifisch. Das bedeutet, dass sie sich auf das Huhn spezialisiert haben und je nach Unterart auch auf einen bestimmten Darmabschnitt. Bisher wurden sieben verschiedene Eimeria-Arten identifiziert, die sich jeweils in verschiedenen Darmabschnitten aufhalten. Ein Huhn kann also an all diesen gleichzeitig erkranken.
Die gute Nachricht ist, dass Ihre Tiere für den Rest ihres Lebens immun sind, sobald sie die Infektion überstanden haben. Wenn sie also im Laufe ihres Lebens in jedem Darmabschnitt mal diese Einzellergäste zu Besuch hatten, sind sie auch gegen jeden von ihnen immun.
Die verschiedenen Unterarten sind nicht alle gleich bedrohlich für das Geflügel, jedoch ist jede Infektion eine Belastung, da das Immunsystem hart dagegen ankämpfen muss. Wenn das Tier noch jung ist, besonders alt, oder anderweitig geschwächt, kann das sehr bedrohlich werden. So hätte ein harmloser Verlauf bei einer Infektion mit Kokzidien etwas Durchfall zur Folge, wohingegen geschwächte Hühner daran sterben können. Je nach Art der Kokzidien werden die Darmwände zerstört, andere Organe werden belastet und das Huhn verliert viel Flüssigkeit. Um so einen Angriff überleben zu können, muss das Huhn stark sein.

Ansteckung mit Kokzidien

Kokzidien werden von dem Huhn oral durch das Futter oder Wasser aufgenommen. Gleich darauf beginnt ihr Entwicklungszyklus, welcher bei günstigen Temperaturen etwa zwei Tagen dauert. Der Zyklus der Entwicklung bedarf des Milieus des jeweiligen Darmabschnitts, die Ausscheidung, Bodenwärme und Aufnahme durch einen weiteren Wirt.
In Massentierhaltungen haben die Parasiten ideale Bedingungen für die Ausbreitung. Besonders in Betrieben mit Bodenhaltung und Auslaufhaltungsbetrieben können sich die Erreger hervorragen auf viele Wirte ausbreiten, da die Hühner so ungehindert mit infiziertem Kot in Kontakt kommen.
Bei fast allen Kokzidioseerkrankungen enthält der Kot eine gewisse Menge Blut und ist somit rötlich gefärbt. Auf Hühner scheint diese Färbung appetitlich zu wirken, weshalb der Kot gefressen wird und der Erreger sich schnell im Bestand ausbreiten kann.
Sobald eine bestimmte Kokzidienart ein Huhn durchlaufen hat, ist dieses Tier gegen genau diese Unterart immun. Bzw. immun gegen eine Erkrankung durch den Parasiten. Das Tier entwickelt also keine Symptome, kann jedoch trotzdem Parasiten tragen. So wird von einem Hühnerhalter meist gar nicht erkannt, dass das entsprechende Tier befallen ist.
Meist handelt es sich dabei um ältere Tiere, die bereits immun sind, jedoch als Dauerausscheider fungieren. Sie tragen die Erreger in sich, ohne zu erkranken und infizieren durch ihren Kot den restlichen Bestand.
Es können jedoch auch adulte Tiere erkranken, sofern sie gegen eine bestimmte Unterart noch nicht immun sind, die Erreger hochpathogen sind, die Infektionsdosis hoch ist und die Körperkondition schlecht ist.

Kokzidiose beim Huhn erkennen

Je nachdem welcher Eimeriatyp sich im Körper des Huhns eingenistet hat, sind auch die Erscheinungsformen des Durchfalls unterschiedlich.
Die Symptome lassen sich manchmal schwer erkennen, weshalb sich bei einer Kokzidiose der Tod langsam einschleichen kann.
Achten Sie daher auf erste Verhaltensänderungen. Die Tiere verlieren bei solch einer Erkrankung ihren Appetit. Das lässt sich beobachten, wenn sie nur noch im Futter scharren und die Futteraufnahme immer weniger wird. Auch das Wasser-Futter-Verhältnis verändert sich.
Sie neigen außerdem dazu sich in Gruppen zusammenzuraufen.
Äußerlich lässt sich feststellen, dass das Federkleid struppig ist, der Kopf bleich wirkt und auch der Kot anders aussieht (gelblich bis grau, oft mit Spuren von Blut und Schleim, bzw. auch wässrig bei Durchfall).

Verlauf der Kokzidiose

Die 7 pathogenen Eimeria-Arten beim Huhn die bekannt sind, sind Eimeria necatrix, Eimeria mitis, Eimeria tenella, Eimeria acervulina, Eimeria maxima, Eimeria brunetti, und Eimeria praecox.
Je nach Kokzidientyp ist der Verlauf jeweils etwas unterschiedlich, da sie auch jeweils in unterschiedlichen Darmabschnitten vorkommen. Auch unterscheiden sie sich in der Pathogenität und in ihrer Vermehrungseigenschaft.

Die Dünndarmkokzidiose

  • Verursacher: E. mitis, E. acervulina, E. maxima, und E. praecox; teilweise auch durch E. brunetti und E. necatrix.
  • Symptome: die Legeleistung lässt nach, wässrig-schleimiger Durchfall, Gewichtsabnahme
  • Besonders die „Eimeria necatrix“ verursachen blutig-schleimige Durchfälle. Eine Infektion mit diesen hat also einen schwereren Verlauf.

Die Blinddarmkokzidiose

  • Verursacher: E. tenella, E. brunetti, E. necatrix
  • Symptome: Mattigkeit, reduzierte Futter- und Wasseraufnahme, gesträubtes Gefieder, breiiger, wässriger und anschließend blutiger Durchfall, 80%ige Morbiditätsrate
  • Besonders die „Eimeria tenella“ ist die Unterart, die mit der erwähnten „roten Kükenruhr“ in Verbindung gebracht wird und dem Namen entsprechend für Küken am bedrohlichsten ist. Sie kommt nämlich vorwiegend bei Jungtieren auf, die zwischen 4 und 8 Wochen alt sind. Dieser Typ befindet sich im Blinddarm. Man spricht also von einer Blinddarmkokzidiose. Diese Kokzidiensorte verursacht starke Blinddarmblutungen. Der Blutverlust wird im stark blutigen Kot sichtbar und führt bei Jungtieren und allgemein angeschlagenen Tieren schnell zum Tod.

Die Enddarmkokzidiose

  • Verursacher: E. brunetti, E. gallopavonis
  • Symptome: Störung des Allgemeinbefindens, rötliche Verfärbung des Kots durch Blut
  • Besonders die „Eimeria mitis“ verursacht wässrigen Durchfall und hat einen relativ harmlosen Verlauf. Das Tier nimmt nur langsam an Gewicht zu, hat aber meist keine weiteren Beschwerden.

Allgemein sind bei den Hühnern mit einer Kokzidiose Symptome abhängig vom Alter festzustellen:

  • Durchfälle
  • Empfindlichkeit
  • Wachstumshemmungen
  • Legebeeinträchtigung
  • Allgemeine Schwächung

Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ist außerdem folgendes zu beobachten:

  • Küken und Alttiere stehen in Pinguinstellung,
  • einbeinig,
  • mit halb geschlossenen Augen
  • und ziehen sich zurück

Sind diese Symptome zu beobachten ist den Hühnern leider meist nicht mehr zu helfen.

Behandlung einer Kokzidiose

Haben Sie oben genannte Symptome beobachtet und haben einen Verdacht, dass ein Tier von Eimeria befallen ist, sollten Sie sofort den Tierarzt kontaktieren. Wenn die Tiere frühzeitig medizinisch behandelt werden, kann eine Kokzidiose oft noch verhindert werden. Durch bestimmte Medikamentengabe (Antikokzidia) kann der Entwicklungszyklus der Eimeria gestoppt werden. Ansonsten müssen diese durch Antibiotika abgetötet werden, um eine Massenerkrankung zu verhindern.
Ein Wirkstoff zur Behandlung ist Toltrazuril, welcher gut verträglich ist und wirksam gegen alle relevanten Kokzidienspezies ist. Trotz der Therapie entwickelt die behandelte Henne eine Immunität und kann dann bei diesem spezifischen Erreger künftig keine Erkrankung mehr entwickeln.

Natürliche Behandlung bei Kokzidiose

Wenn Sie einen Verdacht auf eine Infektion haben, gilt stets, wie oben beschrieben, als erster Schritt der Gang zum Tierarzt.
Sie können die Heilung jedoch auch mit natürlichen Mitteln unterstützen. So können Sie zum Beispiel dem Futter oder Trinkwasser 10%-12% Oreganolösung beimengen. Oregano gilt als ein natürliches Antibiotikum, es wirkt außerdem verdauungsfördernd und stabilisiert den Magen- und Darmtrakt. Es führt zu einem sauberen Darm, hilft bei Verdauungsstörungen und hilft bei bakterienbedingten Erkrankungen. Mit Oregano können Sie also Ihr Huhn bei der Abwehr von Infektionen unterstützen.
Sie können es entweder als medizinisches Gemisch von verschiedenen Firmen kaufen oder bei der Apotheke auf Bestellung anfertigen lassen.
Auch das Beimischen von mikrobiell aktivem Joghurt und Kokosöl in das Feuchtfutter kann Abhilfe verschaffen.
Diese natürlichen Methoden helfen jedoch nur bei geringem bis mäßigen Befall.

Vorbeugen gegen Kokzidiosen

Kokzidien mögen es feucht und warm damit sie sich auf dem Boden und in der Einstreu rapide vermehren können. Die optimalen Bedingungen für die Vermehrung sind Temperaturen zwischen 28°C und 30°C. Sie mögen es also sommerlich warm. (Jedoch nicht zu heiß. Bei über 35°C und trockener Hitze vermehren sie sich nicht und es kommt daher auch zu keinen Epidemien.) Sind die Hühner dann noch eng beieinander bzw. befinden sich im engen Auslauf ist das Risiko der Kontamination sehr hoch. Durch Ausscheidungen wie Kot oder Eier legen gelangen die Erreger auf den Boden und durch das Picken wieder in den nächsten Wirt.

Die beste Prävention ist somit die Haltungsbedingungen zu optimieren! Hier einige Beispiele:

  • Je mehr Platz die Hühner haben, desto geringer auch das Risiko einer Ausbreitung der Kokzidiose.
  • Der Einstreu muss trocken gehalten werden.
  • Die Besatzungsdichte im Stall kann reduziert werden.
  • Regelmäßige gründliche Reinigung und Desinfektion des Stalls samt aller Flächen und des Auslaufs durchführen.
  • DVG-gelistete Desinfektionsmittel verwenden
  • Stressfaktoren (zu welchen auch Langeweile gehört) minimieren.

Auch ein bestimmtes Futter für Küken wirkt vorbeugend. Dabei werden Küken zwei Tage nach dem Schlüpfen so genannte Kükenstartermischungen verabreicht. Diese sind mit Kokzidiostatika angereichert und reduzieren die anfängliche Infektionsgefahr, was bei Jungtieren wegen ihrer Anfälligkeit besonders wichtig ist. Bei den Kokzidiostatika handelt es sich entweder um inophorische oder chemische Beimengen.

Achtung: Um zu vermeiden, dass sich Resistenzen gegen die Eimeria bilden, darf keinesfalls gleichzeitig ein Kokzidiostatikum gefüttert werde, während geimpft wird.

Impfungen

Gegen die verschiedenen Arten der Kokzidiosen gibt es Impfstoffe und Präparate, mit welchen der Befall kontrolliert werden kann.
Um sicher zu gehen, dass sich keine Kokzidien in den Bestand einnisten können, können die Küken am ersten Tag, an dem sie geschlüpft sind, geimpft werden. Sobald man angefangen hat Küken zu impfen, muss man das konsequent bei allen Küken beibehalten, damit die nicht geimpften nicht anfangen auszusterben.
Die Impfungen funktionieren grundsätzlich so, dass ein Lebendimpfstoff kontrolliert verabreicht wird. Das Küken also künstlich unter kontrollierten Bedingungen infiziert wird. Nur wenn der Parasit einen natürlichen Vermehrungszyklus durchläuft, wird in dem Körper des Huhns eine zelluläre Immunität ausgebildet.

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