der Hahn greift an

Ursachen und wie man dagegen vorgeht
Hilfe! Der Hahn greift an!

Wenn der Hahn jede Gelegenheit nutzt, um anzugreifen kann einem die Freude an der Hühnerhaltung schon mal vermiest werden. Manch ein Hahn attackiert die Hennen und verursacht Stress im Gehege. Andere schrecken auch nicht vor Menschen zurück und greifen den Halter an. Die Säuberung des Stalls und Geheges, Entnahme der Eier und das Auffüllen der Futtertränken und Tröge artet zu einem anstrengenden Drahtseilakt aus. Halten sich Kinder in der Nähe auf kann das schnell gefährlich werden, besonders wenn es sich um einen kräftigen Hahn handelt.
Das angriffslustige Verhalten des Hahns kann verschiedene Ursachen haben, muss aber in jedem Fall zügig unterbunden werden, da dies im Laufe der Zeit nur schlimmer werden kann.

Wie erkennt man, ob der Hahn aggressiv ist?

Hähne sind von Natur aus sehr stolze Geschöpfe und das auch nicht ohne Grund. Bei Hühnern ist das stärkste Tier in der Hackordnung am höchsten und genießt Privilegien. Der Hahn muss vor allen Hennen autoritär wirken, da sich die ebenfalls stolzen Damen nicht von diesem treten / befruchten lassen würden.
Die meisten Hähne bekommen es jedoch hin ihre Autorität vor den Hennen zu wahren und gleichzeitig friedlich zu sein. Es reicht dann, wenn der Hahn diese hin und wieder durch sachtes, aber bestimmtes Picken, Treten oder Aufbäumen zurechtweist.
Jagt und stresst der Hahn die Damen jedoch regelmäßig deutet es bereits auf ein aggressives Verhalten hin und muss unterbunden werden.
Menschen gegenüber akzeptieren Hähne normalerweise als überlegen und legen sich deshalb nicht unnötig mit ihm an. Deshalb ist auch das geringste Aufmucken sofort zu unterbinden, da es bereits ein aggressives Verhalten andeutet, bzw. sich ansonsten dazu entwickeln könnte.
Es hängt also davon ab wem gegenüber, der Hahn streitlustig reagiert und auf welche Weise, um zu bestimmte, ob sich das Verhalten noch im Rahmen bewegt.
Beobachten Sie am besten in welchen Situationen das Tier sich angegriffen fühlt und aggressiv reagiert. Denn eventuell ist dies nur die Reaktion auf ein Fehlverhalten des Halters und würde aufhören, sobald dieses korrigiert wird.

Warum wird ein Hahn aggressiv?

Es gibt viele Faktoren, die dazu führen können, dass entweder das männliche Küken bereits in den jungen Jahren ein aggressives Verhalten entwickelt oder auch, dass ein ansonsten friedlicher Hahn beginnt andere Hühner oder Menschen anzugreifen.

Rasse und Charakter
Das ein Hahn schneller aus der Haut fährt, als andere Genossen, kann auf die individuelle Persönlichkeit zurückzuführen sein. Es gibt unter Hähnen Rassen und Charaktere, die temperamentvoller auf unangenehme oder bedrohliche Situationen reagieren als andere. Erkundigen Sie sich hierzu bereits vor Anschaffung eines Hahns über die Eigenschaften der jeweiligen Rasse, um darauf vorbereitet zu sein. Ein Zwerg-Dresdner zum Beispiel gilt als derb und temperamentvoll und ein Rhodeländer hingegen als munter und zutraulich. Das bedeutet aber nicht, dass diese Rasse auch automatisch bei jeder Gelegenheit angreift, sondern, dass sie als Halter bei diesen Rassen wissen müssen, wie Sie den Hahn im Griff halten, damit dieser friedlich bleibt. Diese Tiere haben schlicht und einfach ein sehr reizbares und kampflustiges Gemüt und sind demnach eine Herausforderung.

Verletzungen oder Krankheiten
Wenn Ihr Hahn, der sonst friedlich war, plötzlich mürrisch und gereizt ist, kann das auch an einer Verletzung oder Erkrankung liegen, die ihm zusetzt und ihn verstimmt. Überprüfen Sie ihn deshalb auf Wunden, äußere Parasiten und stellen Sie sicher, dass die Haltungsbedingungen und besonders die Ernährung stimmen. Lassen Sie diesen ggf. auch von einem Tierarzt auf Parasiten, Verdauungsbeschwerden usw. checken.

Verteidigung der Hennen
Der Hahn fungiert stets als Beschützer seiner Hennen, da er den höchsten Rang in der Gruppe einnimmt. Hat er das Gefühl, dass die Hennen angegriffen werden, für die er sich verantwortlich fühlt, kann derjenige die Wut abbekommen.

Schlechte Erfahrungen mit Menschen
Hat der Hahn in der Vergangenheit schlimme Erfahrungen mit Menschen gemacht, indem er z.B. geärgert, getreten, misshandelt wurde oder ihm seine Hennen weggenommen wurden hinterlässt dies bei dem Tier seelische Narben, sowie es auch bei einem Menschen der Fall wäre. Der Hahn verbindet dann Menschen mit Gefahr, gegen die er sich verteidigen muss und so ist es nicht verwunderlich, wenn er dann bei allen Menschen allgemein schnell überreagiert und Situationen eher als bedrohlich interpretiert. Kombiniert mit einem selbstsicheren Charakter und einer starken Statur, kann das wiederum für den Menschen und besonders für Kinders sehr gefährlich werden.

Die Erziehung des Hahns
Ob Sie der Hahn nun einer hauseigenen Brut entstamm bzw. als Küken angekauft wurde, oder bereits als erwachsenes Tier in die Schar eingefügt wurde. Die Erziehung, welche dem Tier von Klein auf zuteilwurde, hat einen großen Einfluss auf sein Verhalten. So ist es nicht verwunderlich, dass die Ursache für einen aggressiven Hahn meist auf den Halter zurückzuführen ist.
Die flauschigen Küken sind so goldig, dass man sie am liebsten immerzu ansehen und antätscheln möchte. Wird das Küken aber größtenteils von Menschen großgezogen, also aus der Hand gefüttert, gestreichelt, umsorgt und ist hauptsächlich von Menschen umgeben, dann wächst es mit der Überzeugung auf, diese würden zur Schar gehören. Wird das kleine männliche Küken erwachsen und geschlechtsreif, muss es sich in einer Schar beweisen und es schaffen in der Rangordnung die höchste Stelle einzunehmen. Sie als Mensch sind dann in seinen Augen ein Konkurrent, gegen den er sich beweisen muss. Um das Problem zu vermeiden, muss man die Küken entweder rechtzeitig in die Schar einfügen, sodass es gar nicht erst zu diesem Missverständnis kommt, oder Sie müssen sich, bei bereits bestehendem Problem, als Rivale behaupten.

Abhilfe bei aggressivem Hahn

Um richtig auf das streitlustige Verhalten des Hahns zu reagieren, müssen Sie sich bewusstwerden, welche der genannten Ursachen dahinter stecken könnte.

  • Erkundigen Sie sich bereits vorab über die Eigenschaften der Rasse. Falls Sie noch nicht besonders versiert in der Hühnerhaltung sind, empfiehlt es sich Hähne / Küken / Bruteier anzukaufen, welche einer ausgeglichenen und anfängerfreundlichen Rasse angehören.
  • Überprüfen Sie ob die Haltungsbedingungen den Hahn eventuell stressen, z.B. auf Grund von Platzmangel, zu viele Hennen auf Hahn, schlechte Temperatur- und Lichtverhältnisse, etc.
  • Stellen Sie sicher, dass der Hahn eine artgerechte und ausgewogene Ernährung erhält und an keinen Mangelerscheinungen leidet.
  • Begutachten Sie, ob das Tier an Verletzungen, Parasiten oder einer Erkrankung leidet, die dieses gereizt macht. Falls Sie äußerlich nichts feststellen können, jedoch den Verdacht einer Erkrankung auf Grund von Begleitsymptomen haben, lassen Sie den Hahn vom Tierarzt durchchecken. Denn wenn der Hahn Beschwerden hat, wird das unerwünschte Verhalten auch so lange anhalten, egal was Sie sonst versuchen dagegen zu unternehmen.
  • Um den Beschützerinstinkt des Hahns nicht aufflammen zu lassen, nähern Sie sich den Hennen immer ruhig und behutsam. Erschrecken sich die Hennen, kann das den Verteidigungsinstinkt des Gockels aktivieren. Bei jedem Betreten des Stalls oder des Geheges, ob bei der Reinigung oder der Fütterung, achten Sie darauf die Damen nicht zu erschrecken.
  • Respektieren Sie den Hahn als Herdenoberhaupt, indem Sie ihm die Futterverteilung überlassen. Übergehen Sie ihn auch nicht in der Rangordnung, indem Sie sich zuerst um Ihre Lieblingshennen kümmern, sie fangen und streicheln. Hat der Hahn das Gefühl, dass sie eine Henne bevorzugen, könnte er nicht nur Ihnen gegenüber aggressiv werden, sondern auch die Henne kriegt es zu spüren.
  • Auf gar keinen Fall dürfen Sie den Hahn angreifen oder ihm Schmerzen zufügen. Das ist nicht nur verwerflich, da es das Tier quält, sondern ist auch sehr kontraproduktiv, da der Hahn Sie als bedrohlich abspeichert und erst recht angreift. Haben Sie Kenntnis davon, dass das Tier z.B. vom Vorbesitzer schlecht behandelt wurde, müssen Sie ihm gegenüber behutsam vorgehen und sich geduldig das Vertrauen zurückgewinnen. Vermeiden Sie dabei in seiner Nähe alles was ihn erschrecken könnte. Das Tier ist nämlich stets in Alarmbereitschaft. 
  • Küken dürfen nicht verhätschelt werden, damit es später zu keinen Missverständnissen über die Herdenzugehörigkeit und Rangordnung kommt.
  • Sie dürfen vor einem Hahn niemals zurückschrecken! Lassen Sie sich nicht von ihm einschüchtern, auch wenn er sich zuvor bereits angegriffen und eventuell verletzt hat (lassen Sie es sich zumindest nicht anmerken). Weichen Sie deshalb niemals zurück und sehen Sie sich beim Weggehen nicht nach dem Hahn um. Das versteht der Hahn als Flucht und Schwäche und greift Sie beim nächsten Mal garantiert an. Wenn Sie ihm nicht demonstrieren, dass Sie ihm überlegen sind, steigert es das Aggressionspotenzial nur noch weiter. Falls der Gockel die Hennen angreift, gehen Sie ruhig, aber bestimmt in das Gehege und nehmen ihn so lange auf den Arm, bis er wieder friedlich ist. Wenn er Sie angreift, müssen Sie das sofort unterbinden. Entweder nehmen Sie ihn dazu ebenfalls hoch und streicheln ihn, bis er sich beruhigt (das Streicheln empfindet der Hahn als „getreten“ werden, was Ihre Überlegenheit demonstriert), oder Sie stellen die Machtverhältnisse anderweitig zur Schau. Manchmal reicht es schon eine lautstarke, scharfe Verwarnung auszusprechen, oder ihn durch das Gelände zu jagen. Sie können auch eine Drohgebärde der Hähne, das „Stockerl aufheben“ verwenden und vor dem Streithahn einen schweren Ast aufheben, wieder fallen lassen und die Arena verlassen. Der Hahn kann dann den Stock begutachten und feststellen, dass Sie viel stärker sind und er Sie nicht herausfordern sollte. 
  • Es reicht oft nicht, wenn nur Sie als Halter bei dem Hahn als Ranghöherer akzeptiert werden. Denn manche Gockel greifen dann zwar Sie nicht mehr an, jedoch weiterhin andere Menschen. So muss dann jede Person, also auch Kinder, jeweils das Machtverhältnis mit dem Hahn klären. Da Kinder eine kleinere Statur haben ist das Hochheben gefährlich, da der Hahn sie mit dem Schnabel oder den Krallen leicht im Gesicht erwischen könnte. Dieses kann dann das bestimmte auftreten, das Jagen über den Hof, oder das „Stöckerl heben“ als sicherere Variante ausprobieren. Wenn das auch nicht fruchtet, kann es den Hahn zu Boden drücken (am besten am Hals oder Kopf) und dort fixieren bis er sich beruhigt. Gerne kann er dabei auch mit der anderen über den Rücken gestreichelt werden. Das Kind kann dabei z.B. Gartenhandschuhe und lange Ärmel tragen, damit es vor Kratzern geschützt ist. Auch das Gesicht sollte es in sicherem Abstand halten.
  • Bei manchen Hähnen muss man das Machtverhältnis regelmäßig unter Beweis stellen, da er nach einer Gewissen Zeit aufs Neue versucht Sie herauszufordern, um in der Rangordnung aufzusteigen.

Falls all die Versuche nicht Glücken und das angriffslustige Tier sich nicht friedlich stimmen lässt, können Sie es auch durch einen entspannteren Artgenossen eintauschen. Da männliche Küken 50% der Brut ergeben, jedoch nur wenige von Ihnen in einer Schar eingesetzt werden, sind diese günstig und teils auch kostenlos zu ergattern. Bevor Sie sowohl sich als auch den Hennen allzu lange Stress durch einen aggressiven Hahn zumuten, können Sie den Platz auch durch einen Hahn mit einem wunderbaren Charakter besetzen und diesen vor der Schlachtung bewahren.

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