der Hahn

Wann und wofür braucht man den Hahn eigentlich?
Hahn
Der Hahn – Notwendig oder belastend im Hühnerstall?

Ob Sie nun bereits stolzer Halter einer Hühnerschar sind, oder erst dabei sind Ihren Hühnerhof zu planen, kommt früher oder später unweigerlich die Frage auf, ob denn ein Hahn angeschafft werden sollte. Die Haltung eines Hahns ist nämlich möglich aber nicht zwingend notwendig. Wann und wofür braucht man den Hahn eigentlich?
Wir zeigen Ihnen die Fragen auf, die Sie sich stellen können, um zu einer Entscheidungsfindung zu gelangen, ob ein Hahn in Ihren Korb kommt. Die Entscheidung betrifft schließlich die Hennen und den Hahn genauso wie Sie und Ihre Mitmenschen und alle sollen sich möglichst damit wohlfühlen. 

Die Ziele des Hühnerhalters

Zuerst müssen Sie sich damit befassen, welche Ambitionen Sie bezüglich Ihres Hühnerhofs haben. Welchem Zweck soll dieser dienen?
Möchten Sie schlicht und einfach stets frischen Nachschub an köstlichen Eiern haben? Schließlich lassen sie sich allein durch das Wissen, dass sie den eigenen gehegten und gepflegten Hennen entspringen, umso mehr genießen. Dann sei gesagt, dass Hennen ohne Zutun eines Hahns Eier legen und auch ohne Hahn glücklich sein können.
Befruchten kann sich die Henne jedoch nicht von allein. Wenn Sie also einen Kükenwunsch haben und Ihr Hühnerhof den Zweck der Nachzucht erfüllen soll, kommen Sie nicht umhin einen Hahn ins Spiel zu bringen. 

Die Kapazität des Hühnerstalls

Manchmal ergibt sich die Antwort, ob ein Hahn angeschafft wird oder nicht, bereits daraus, ob Sie denn überhaupt die Haltungsbedingungen erfüllen können.
Der Hahn ist keine monogame Spezies, sondern braucht einen Harem, den Sie ihm bieten können müssen. Wie viele Hennen ein Hahn braucht kann durch einen Richtwert ermittelt werden. Wie viele IHR Hahn dann tatsächlich braucht, werden Sie beobachten müssen. Denn letztlich ist der Geschlechtstrieb (die Libido) des jeweiligen Tieres entscheidend wie viele Hennen er meint beglücken zu müssen.
Bei legebetonten Rassen wie Leghorn oder Italiener können es schon 10-15 Hennen je Hahn sein. Mittelschwere Rassen geben sich meist mit 7-10 Hennen zufrieden. Das Hahn-Hennen-Verhältnis sollte aber nicht unter 6 Hennen auf einen Hahn liegen. Es besteht sonst die Gefahr, dass Stress in der Herde auftritt, wenn wenige Hennen die Potenz des Hahns abfedern müssen, also jeweils zu oft begattet werden.
Sowohl der Hühnerstall als auch die Auslauffläche muss damit groß genug für den Hahn und seine Hennen sein. Mindestens 1 Quadratmeter pro 3 mittelgroße Hühner wird etwa benötigt. Wenn es sich um Zwerghühner handelt, können sogar 5 davon auf einem Quadratmeter Platz finden. Für ausreichenden Auslauf dürfen es im Freigehege, je nach Größe, 9-12 Quadratmeter sein.
Bevor Sie sich einen Hahn zulegen, sollten Sie also berücksichtigen aus wie vielen Tieren Ihre Hühnerschar im Endeffekt bestehen wird, wie viel Platz diese demzufolge für eine artgerechte Haltung benötigen und ob Sie diese zur Verfügung haben. 

Diese Vorteile bringt Ihnen ein Hahn

Hennen und Hähne leben von Natur aus in Harems und die Natur hat immer Ihren Sinn und Zweck. Auch wenn ein Hahn nicht unbedingt notwendig ist auf einem Hühnerhof, hat es gewisse Vorteile Ihrer Hennenschar einen Hahn vorzusetzen. Ein Hahn in der Herde übernimmt wichtige Aufgaben.

Befruchter
Wie bereits erwähnt ist ein Hahn für eine Nachzucht unabdingbar. Der Hahn befruchtet die Henne, indem er seine Kloake auf ihre presst, wobei das Sperma übergeht und später die Eier befruchtet. Nur so kann aus einem Ei ein Küken werden.

Beachten Sie dabei auch, dass Sie sich für die Züchtung entweder einen Brutapparat oder eine Henne mit Bruttrieb zulegen (z.B. ein Brahma-Huhn). Gängigen Hennen wurde der Bruttrieb abgezüchtet, weil sie während der Brutzeit keine Eier mehr legen. Die Hennen brüten die Eier nur an und lassen sie dann im Stich, was eine Entwicklung der Küken unmöglich macht. Eine Bruthenne hingegen brütet nicht nur ihre eigenen, sondern auch fremde Eier aus, und zwar 12-20 Stück auf einmal. Nach dem Schlüpfen können Sie sich dann etwa 10-12 Wochen an der gelben Flauschigkeit der Küken erfreuen, bis sie voll befiedert sind. (Der Kükenverkauf im kleinen Stil lohn sich finanziell nicht wirklich, da ein Küken unter einem Euro kostet. Männliche Küken sind sogar meist kostenlos zu bekommen.)

Streitschlichter
Ein Hahn hat aber mehr drauf als nur zu Begatten. Er ist ein enormer Zugewinn für das Sozialverhalten der Herde. Hennen neigen zu Gezanke und Streitigkeiten, welche ein Hahn zu unterbinden weiß. Er hat sie in der Regel gut im Griff und bringt so Ruhe und Harmonie in die Runde.

Gentleman
Der Gockel kümmert sich auch um den Schutz seiner Damen. Er hat stets die Umgebung im Blick, bewacht und verteidigt sie notfalls vor Eindringlingen. Sie können beobachten, wie er bestimmte Töne von sich gibt, wenn er Gefahr entdeckt. Wenn ein Raubvogel in Sicht ist, gibt er Alarm und die Hennen wissen, dass sie auf der Hut sein sollen bzw. sich in Sicherheit bringen sollen.
Auch sucht er seinen Schützlingen den perfekten Platz für ein Nest und überlässt Ihnen das leckerste Futter – ein Gentleman durch und durch.

Ein Insidertrick ist es sich einen älteren Hahn anzuschaffen, welcher bereits viel Erfahrung mitbringt und umso eloquenter auch mit den störrischsten Damen umzugehen weiß. Er kann dem Hühnerhalter viel Arbeit abnehmen, wenn es um die Erziehung von Junghennen geht. 

Die Nachteile einer Hahnhaltung

Auch wenn Sie eine Nachzucht wünschen, genug Platz haben und Feuer und Flamme über den Mehrwert sind, die die Anschaffung eines Gockels mit sich bringt, lassen Sie sich vor einem überstürzten Kauf auf jeden Fall noch die Mankos durch den Kopf gehen. 

Krähen ist nicht für alle Musik im Ohr

Sie finden es kann doch auch nett sein morgens von einem Hahn anstelle eines Weckers geweckt zu werden? So kommt man gleich richtig in eine ländliche, naturverbundene Stimmung. Das mag stimmen, aber sind alle in Ihrer Hörweite auch dieser Meinung?
Manche Gockel geben ein paar gedämpfte Kräher bei den ersten Sonnenstrahlen von sich und sind ansonsten mucksmäuschenstill, sodass man schon ein sehr dünnhäutiger Geselle sein muss, um sich davon gestört zu fühlen.
Einige andere Prachtstücke hingegen haben besonders kräftige und / oder aktive Organe. Sie krähen so gerne und voller Einsatz, dass sie dies nicht nur am Morgen tun, sondern auch den ganzen restlichen Tag über nicht verstummen. Manche Töne können auch schon mal ordentlich im Ohr kratzen.
Beschwerden der Nachbarn über Lärmbelästigung sind hierbei genauso unangenehm wie verständlich. Bevor es zu einer gerichtlichen Beschwerde kommt, empfiehlt es sich vorzubeugen.

Tipps für Frieden in der Nachbarschaft

  • Versuchen Sie bereits bei dem Kauf des Hahns mehr über sein Kräh-Verhalten zu erfahren.
  • Sprechen Sie vor Anschaffung eines Hahns persönlich mit Ihren Nachbarn und geben ihnen Bescheid.
  • Je mehr Hähne desto lauter. Begrenzen Sie also die Hahnenhaltung für eine geringere Lautstärke.
  • Isolieren Sie Ihren Hühnerstall schalldicht.
  • Durch „Verdunkelungszeiten“ kann das Krähen hinausgezögert werden, sodass den Nachbarn ein paar Stunden länger Schlaf gegönnt werden kann.
  • Die Schar kann zu bestimmten Tageszeiten im Stall gesperrt werden (z.B. zur Mittagsruhe), um den Nachbarn auch tagsüber Auszeiten zu ermöglichen.
  • Je nachdem wie viele Nachbarn Sie in Hörweite haben, können Sie diese auch hin und wieder mit frischen Eiern positiv stimmen.

Wie Sie sehen hat es sowohl Vor-, aber auch gewisse Nachteile sich einen Gockel zuzulegen. Sofern man jedoch all die genannten Punkte bedacht und abgewägt hat und sich dann für einen Hahnkauf entschieden hat, steht nach gewisser Vorbereitung einem glücklichen Zusammenleben mit Ihren Hennen, Hahn und Nachbarn nichts im Wege.

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