Hühnerzucht

Wie Sie ihre Hühner vermehren
Die Grundlagen der Hühnerzucht

Wenn Sie einen Kükenwunsch haben und sich beginnen in die Materie der Hühnerzucht einzulesen, werden Sie wahrscheinlich erstmal mit Informationen erschlagen und sind mehr verwirrt als motiviert, da sich diese teilweise auch noch widersprechen. Von Informationen, ob Natur- oder Kunstbrut zu bevorzugen ist, ob Glucken, Flächen- oder Motorbrüter zum Ausbrüten geeignet sind, wie oft die Eier gewendet werden sollen bis zur evolutionären Entwicklung der Hühner. Über Hühner lassen sich dicke Wälzer verfassen und für Profis und gewerbliche Betriebe mag das auch relevant sein, einen Hobbyzüchter kann das aber schnell einschüchtern.
Wir bringen Licht in den Informationsdschungel und fassen für Sie das zusammen was Sie wirklich über die Hühnerzucht wissen müssen. Hier erfahren Sie zunächst etwas über die Grundlagen der Hühnerzucht und in unseren weiterführenden Artikeln lernen Sie die Grundlagen der Vererbung von Hühnern kennen, wie Zuchthühner gehalten werden und welches Futter sie benötigen und auch wie Sie Rassehühner züchten.

Das Paarungsverhalten der Hühner

Das grundlegendste zum Thema Nachwuchs ist bei jedem Lebewesen das Paarungsverhalten.
Die Paarung beginnt bereits mit der Balz, die dem menschlichen Vorspiel entspricht, jedoch anders abläuft. Die Balz kann auf drei verschiedene Arten erfolgen. Entweder durch das Aufbäumen, Nestlocken oder Futteranpreisen. Der Hahn hält dabei etwas Futter im Schnabel und versucht damit die Henne anzulocken. Oder aber er scharrt eine Mulde und gibt vor ein perfektes Nest gefunden zu haben. Er setzt sich hinein und gibt Lockrufe ab, damit sich die hoffnungsvolle Hennenschar zu ihm gesellt. Nährt sich ihm eine Auserwählte, umtanzt er sie in kurzen Schritten und spreizt dabei einen ihr abgewandten Flügel ab. Mit diesem will er sie davon abhalten sich wieder davonzumachen.
Meist sind es die rangniedrigen Hennen, die sich eher treten lassen. Kommen viele Hennen auf einen Hahn sind es somit meist dieselben Hennen, die er befruchtet. Die Dominanten neigen eher dazu dem Hahn eine saftige Abfuhr zu erteilen.
Geht die Henne auf die Umwerbeversuche ein, duckt sie sich. Der Hahn ergreift sofort die Chance und drückt seine Kloake auf ihre. Bei diesem so genannten Tritt überträgt der Hahn seine Samen in die Henne. Nach einigen Sekunden klingt das Liebesspiel bereits aus, indem die Henne über den Flügel stolpert, sich aufrichtet und davonstolziert.
Hat die Henne jedoch keine Lust und schafft es davon zu rennen, nimmt der Hahn die Puterhaltung ein und versucht sie mit nach unten gehaltenen Flügeln, aufgefächerten Schwanz und gesträubtem Gefieder einzuholen. Gelingt es ihm dennoch nicht das Weibchen zu erwischen, bleibt ihm nicht übrigen als aufzugeben und seine Enttäuschung hinauszukrähen.
Doch auch der Hahn kann mal keine Lust haben, weil er zum Beispiel durch zu viel Konkurrenz oder zu viele Hennen in Paarungsstress gerät. Er gibt dann nur vor seiner Begattungspflicht nachzukommen, täuscht den Sex aber eigentlich vor. Dabei tritt er die Henne zwar, überträgt aber kein Sperma. Ganz sinnfrei bleibt der Akt jedoch nicht, da dies zumindest für eine kurze Zeit die Promiskuitivität der Hennen reduziert.

Die Befruchtung der Hennen

Ohne der Täuschungsmanöver reicht das Sperma des Hahns aber sowieso nur für maximal sechs Befruchtungen, bevor es unbrauchbar wird.
Ab dem ersten Jahr beginnen bei einem Hahn die Sporen zu wachsen, in welchen die Samen erzeugt werden und ab der 26. Lebenswoche hat der Hahn seine Geschlechtsreife erreicht. Er ist bereit die Hennen zu begatten. Wie oft dies geschieht, hängt von der jeweiligen Rasse und ihrem Geschlechtstrieb ab. Leichte Rassen wie Italiener oder Leghorn sind zum Beispiel 30-50-mal pro Tag auf der Pirsch.
Der Hahn gibt jedoch keinesfalls gleich viel seines wertvollen Spermas bei jedem Tritt ab. Er spart es und teilt es sich gut ein und das mit gutem Grund. Da auf so einem Hühnerhof Promiskuität ganz natürlich ist, sich also jede Henne mit jedem Hahn paart, wurde das Fortpflanzungssystem ausgeklügelt.

  • Eine Henne ohne andere Verehrer erhält nur die minimale Menge an Sperma
  • Hat sich die Dame bereits mit anderen Bewerbern gepaart, wird das Höchstmaß an Sperma verschossen. Jedoch nur, wenn es dem Hahn der Hackordnung nach zusteht.
  • Fremde Hühner bekommen mehr Sperma ab als bereits bekannte.
  • Hennen mit dem schönsten Kamm und dem größten Eigelb ihrer Eier, erhalten besonders viel Sperma.

Da der Samen eines Hahnes bis zu 32 Tage lang in einer Henne befruchtungsfähig bleibt, möchte der Hahn mit der Einteilung der Dosis sicherstellen, dass sein Sprinter den Kampf um die Eizellen gewinnen und seine Gene dem Küken vererbt werden.
Nachdem das aktive Sperma von der Kloake aus in dem Eierstock der Hühnerdame gelandet ist, legt sie fleißig beinahe täglich ein befruchtetes Ei.
Die Eier werden dabei nicht sofort bebrütet, sondern bleiben zuerst im Nest zum Abkühlen liegen. Dabei wird die Embryo-Entwicklung unterbrochen, damit sich alle Eier gleichzeitig entwickeln können. Mit dem Brüten wird also erst begonnen, sobald genügend Eier im Nest liegen. Sofern diese Rasse überhaupt einen Bruttrieb hat und dieser ihr nicht weggezüchtet wurde.

Grundlagen der Verpaarung

Da Sie nun wissen, wie die Hühner sich natürlich Paaren, ist es nun wichtig zu klären, wie Sie Einfluss darauf nehmen können, um das Ergebnis in Ihrer Zucht zu erzielen, welches Sie sich wünschen.
Zu Beginn steht Ihnen die große Entscheidung bevor, welche Henne Sie mit welchem Hahn verpaaren.

Welche Hühner für die Zucht auswählen?
Grundsätzlich gilt, dass nur gesunde, vitale und leistungsfähige Hühner für die Erzeugung des Nachwuchses ausgewählt werden sollten. Kranke und schlecht entwickelte Hühner, bzw. Tiere mit genetischen Fehlern gehören nicht in die Zucht, da diese Makel auch auf die Nachkommen übertragen werden.
Das Ziel sollte es sein, dass die nachfolgenden Hühner mindestens die Qualität Ihrer besten Hühner haben und die Schar sich im Idealfall sogar noch verbessert. Um die gewünschten Erbanlagen, wie bestimmte rassespezifische Eigenheiten, die Schönheit, Leistung und Vitalität der Elternhühner auf die Küken zu übertragen, gibt es verschiedene Zuchtmethoden.
Denn die natürliche Vermehrung von Hühnern ist ein Selbstläufer. Eine Zucht hingegen bedeutet die Verpaarung geschickt zu koordinieren, um ein optimales Ergebnis zu erhalten und bedarf daher einer Planung und Überwinden gewisser Herausforderungen.
Bei der Zucht bestimmter Rassen muss der Züchter das Zuchtpaar deshalb entsprechend einer Musterbeschreibung der Rasse zusammenstellen.
Überlegen Sie sich deshalb welche Rasse Sie züchten möchten, recherchieren Sie die rassespezifischen Merkmale und suchen Sie dementsprechend den besten Hahn und die besten Hennen aus.

Wie viele Hennen braucht ein Hahn?
Hierfür eine große Schar zusammenzustellen macht wenig Sinn, da die Zucht dann schnell unübersichtlich wird. Für eine Hobbyzucht gelten in der Regel ein Hahn und 1-3 Hennen als optimal. Überprüfen Sie jedoch zuvor vorsichtshalber die entsprechende Rassenbeschreibung. Manche Hahnrassen haben nämlich einen ausgeprägteren Trieb und benötigen entsprechend ein paar mehr Hennen, sofern die Zuchttiere dauerhaft gesondert gehalten werden. Zu wenige würden das Triebverhalten solch eines Testosteronprotzes nicht aushalten und ihren Legebetrieb wegen Stress einstellen.

Verpaarung entsprechend der Zuchtmethoden
Je nach Zuchtmethode wird mehr oder weniger Inzucht betrieben. Jedoch führt die Vermischung der Gene zwischen engen Verwandten, wie Halbgeschwistern, auch bei Hühnern bereits nach wenigen Generationen zu erheblichen Schäden. Ausgangstiere dürfen deshalb nie mehr als 50% Blut des Huhns in sich tragen, mit welchem gepaart wird.
Es ist deshalb üblich und nötig, dass die Züchter ihre Zuchttiere regelmäßig untereinander austauschen. Schließen Sie sich deshalb schon zu Beginn der Zuchthaltung mit anderen zusammen.
Je nachdem wie viel Platz Ihnen zur Verfügung steht und wie viel Aufwand Sie betreiben möchten, ist jedoch auch eine Rotationszucht eine mögliche Variante, um Inzucht zu minimieren. Hierfür müssen Sie mehrere Zuchteinheiten anlegen, die jeweils aus einer Schar von einem Hahn und mehreren Hennen besteht. Nachdem jede Zuchteinheit zum ersten Mal Nachwuchs bekommen hat, wird aus diesen jeweils ein männliches Küken (bzw. dann ein Hahn) ausgewählt, der innerhalb des Zuchtring an die nächste Zuchteinheit weitergegeben wird. So wird der Zuchtring von Generation zu Generation weitergeführt, um durch den Austausch die Inzucht gering zu halten.
Eine andere Variante der Hühnerzucht ist die Gruppenzucht, bei welcher der Bestand jedoch ebenfalls groß sein muss. Dabei werden die Tiere in Gruppen mit speziellen Merkmalen eingeteilt. So werden in einer Gruppe zum Beispiel Hühner mit besonders guter Legeleistung gezüchtet und in einer anderen fokussiert man sich auf die Eiergröße. Bei einer dritten hingegen läge das Augenmerk z.B. auf dem Gefieder oder der Körperform. Die Zuchtziele bleiben dabei die Jahre über jeweils gleich.
Bei der Hühnerzucht kann aber auch ein bestimmter Hahn mit einer besonderen Henne gepaart werden, um die speziellen Merkmale des Paares weiterzuzüchten. Die Henne sollte dabei mindestens einen Monat lang vor und einen Monat lang nach der Begattung von anderen Hähnen ferngehalten werden, bzw. gesondert gehalten werden, damit ausgeschlossen werden kann, dass die Eier durch das Sperma eines anderen Hahns befruchtet wurden. Denn die Hühnerdame kann gleichzeitig befruchtungsfähige Sperma verschiedener Hähne in sich tragen.

Mit den beschriebenen Zuchtmethoden können sich alle Rassen und Farbenschläge züchten lassen. Ausnahmen bilden nur manche Farbenschläge wie bei den blau-gesäumten Hühnern, da hierbei die Nachkommen alle etwas anders gefärbt sind. Als Anfänger-Züchter sollten Sie sich daher Züchtungen auswählen die weniger schwierig erfolgreich durchzuführen sind.

Überlegungen vor der Hühnerzucht

Bevor Sie mit der Hühnerzucht loslegen, sollten Sie sich außerdem noch ausführlich Gedanken darüber machen wie viele Hühner Sie eigentlich aufziehen möchten und können. Die Kapazität Ihres zur Verfügung stehenden Platzes genauso wie Ihres geplanten Zeitaufwands spielt dabei unter anderem eine wichtige Rolle.
Was machen Sie mit den überzähligen Hühnern? Kommt für Sie z.B. der Verkauf oder Schlachtung in Frage?
Auch ist der Zeitpunkt der Paarung wichtig. Denn neben der Frage, wann Sie die neuen Hühner benötigen, ist besonders für Anfänger auch wichtig, dass die Küken zu einer milden Jahreszeit schlüpfen und die Kälte die Aufzucht der Jungtiere nicht unnötig verkompliziert.
Anschließend sind auch die notwendigen Utensilien zu besorgen, wie z.B. die Abtrennungen für die Abteile der Zuchtpaare. Je nach der Brutmethode, die Sie bevorzugen muss, außerdem entweder eine Glucke besorgt werden oder aber ein entsprechender Brutapparat. Für die Aufzucht der Küken benötigen Sie außerdem eine Wärmequelle und bestimmtes Futter.

Die Brutmethoden

Über das Ausbrüten der Eier haben wir bereits einen gesonderten Artikel verfasst, in welchem Sie sich nochmal ausführlich schlau machen können. Hierdeshalb nur eine kurze Übersicht der verschiedenen Brutmethoden.
Die Naturbrut
Die Naturbrut erfolgt mithilfe einer Glucke. Im Frühjahr bzw. Frühsommer werden viele Hühner zu Glucken, was man daran erkennt, dass Sie Ihr Nest nur selten verlassen und gluckende Geräusche von sich geben.
Da viele Hühnerrassen Ihre Eier aber nur vorbrüten und dann verlassen, können Sie sich für die natürliche Variante ein oder mehrere Bruthennen besorgen. Diese brüten nicht nur ihre eigenen Eier liebend gern aus, sondern auch die der anderen Hennen, sofern Sie ihr diese mit ins Nest hineinlegen. Eine Bruthenne kann dabei etwa 12-20 Stück auf einmal ausbrüten (Je nach Größe der Henne, sodass alle Eier gut durch sie abgedeckt werden). Bruthennen-Rassen sind dabei z.B. Wyandotten oder Zwerg-Seidenhühner. Sobald eine Henne zur Glucke wird, ist es besser sie mit ihrem vollen Nest in einen eigenen Stall umzusiedeln, damit die Eier durch die restliche Schar nicht beschädigt werden. Da sich die Henne selbst um die optimale Temperatur und das Wenden kümmert, heißt es dabei für Sie nur etwa 21 Tage auf das Schlüpfen zu warten. Und neben dem geringeren Aufwand für den Züchter spricht für diese Methode auch immer, wie zauberhaft die Glucke mit ihren lernfreudigen Küken aussieht.
Der Nachteil dabei ist jedoch, dass die Glucke eventuell einen für Sie unpassenden Zeitpunkt für das Ausbrüten wählt, sodass die Küken z.B. schlüpfen, sobald Sie im Urlaub sind. Für mehr Kontrolle Ihrerseits eignet sich die Kunstbrut, welche in bestimmten Brutapparaten erfolgt. Die Küken werden anschließend unter einer Wärmelampe großgezogen, bis sie entwickelt genug sind, um sich zu der restlichen Schar zu begeben.
Hier sind noch einige Fehler zusammengefasst, die Sie bei der Kunstbrut vermeiden sollten:

  • Eier die älter als zwei Woche sind haben nur noch eine sehr geringe Schlüpfrate.
  • Auch ist es unwahrscheinlich, dass aus den Eiern Küken schlüpfen, wenn diese unsachgemäß gelagert wurden.
  • Bei einer verunreinigten Schale oder verschmutzen Eiern sinkt die Schlüpfrate ebenfalls.
  • Die Eier wurden zu selten oder gar nicht gedreht und haben so an einer Seite zu wenig Wärme bekommen, um sich entwickeln zu können.
  • Die Temperatur im Brutapparat ist entweder zu niedrig, zu hoch oder schwankt.
  • Die Luftfeuchtigkeit wurde falsch eingestellt.
  • Es wurde falsch belüftet und die Eier haben einen Sauerstoffmangel erlitten.

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